Traum
Als sie ihm das mit dem Kind erzählte , rannte er raus. Stolpert in die Nacht, nur allein sein, nichts mehr hören, bloß ihr Gesicht nicht mehr sehen. Sein Hals ist zugeschnürt, Maria, seine Maria! Der Boden unter ihm bricht, was wird aus unserem Leben, alles zerstört, warum nur, warum?
Dass sie schwanger ist, schwanger nicht von ihm, ist schon genug. Aber warum kommt sie mit solch einer Geschichte – Engel, Gottessohn! Weg, nur weg von hier, denkt er, irgendwo neu anfangen, sie nie wieder sehen!
Er schiebt seine Gefühle weg. Verbietet sich, an sie zu denken. Spricht mit keinem. Packt seine Sachen.
Aber dann kommt dieser Traum. Anders als andere Träume. So klar. So hell. Heftet sich in seinen Kopf, in sein Herz. Fürchte dich nicht, hört er, fürchte dich nicht. Im ganzen Körper spürt er die Stimme, fürchte dich nicht, bei Maria zu bleiben. Sie ist deine Frau, ihr Kind kommt von Gott. Er wachte auf, die Worte blieben, lange noch hallen sie in ihm nach, zärtlich klingen sie, kraftvoll: Fürchte dich nicht.
Nach Matthäus, Kapitel 1, Vers 18-25



